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Trockendock

Elsastr. 41
22083 Hamburg
Tel: 040 27 38 77
Fax: 040 278 02 59

Öffnungszeiten
Di - Do 14.00 - 22.00 Uhr
Fr 14.00 - 18.00 Uhr
bei Veranstaltungen länger
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Konzept

Inhalt

1.       Einleitung

2.       Der Rahmen


2.1.    Der Träger
2.2.    Standort und Öffnungszeiten
2.3.    Räume
2.4.    Studio
2.5.    Team
2.6.    Lehrkräfte
2.7.    PraktikanntInnen
2.8.    Suchtprävention und Lass 1000 Steine rollen!
2.9.    Förderungsgrundlage
2.10.  Zielgruppen und Einzugsgebiet
2.11.  Partizipation
2.12.  Angebotsstruktur

3.       Angebote /Leistungen

4.       Konzeptionelle Inhalte

4.1.    Arbeitsgrundlage und Ziele
4.2.    Musik als Lebenswelt von Jugendlichen
4.3.    Aneignung von Schlüsselkompetenzen
4.4.    Entwicklungschancen für Jugendliche durch den Einsatz von Musik als Medium
4.5.    Inhaltlicher Schwerpunkt: Das Medium Musik und Tanz
4.6.    Geschlechtsspezifischer Arbeitsansatz - Gender Mainstream
4.7.    Mädchenspezifische und jungenspezifische Angebote
4.8.    Integration
4.9.    Inklusion
          Gesetzliche Grundlagen
          Jugendliche mit Assistenzbedarf
4.10.  Kooperation Schule
          Weitere Kooperationen


1. Einleitung


Das Projekt „ Lass 1000 Steine rollen!“ wurde 1979 vom damaligen Verein „Hilfe für alkoholgefährdete Kinder und Jugendliche“ ins Leben gerufen. Das Projekt, angesiedelt im Bereich der Suchtprävention, soll Jugendliche in ihrer Persönlichkeit und Eigenverantwortlichkeit stärken und zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Suchtmitteln befähigen.
„Oberstes Ziel der Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung bleibt es, alles zu tun, damit Sucht gar nicht erst entsteht. Suchtprävention ist besonders wirkungsvoll, wenn sie im Kindes- und Jugendalter ansetzt. Kinder und Jugendliche müssen darin unterstützt und gefördert werden, zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranzuwachsen. Sie müssen lernen, Probleme und belastende Lebenssituationen anders zu bewältigen als mit Suchtmitteln und Drogen.“
( Aus dem Bericht der Bundesdrogenbeauftragten 2012 )
Wie die Zahlen im Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung belegen, besteht ein hohes Gefährdungspotential von Jugendlichen.

Laut einer DAK Studie von 2011 wurden im Jahr 2010 fünfhundert Millionen Euro für Alkoholwerbung und sechshundert Millionen Euro für Sponsoring ausgegeben.
Eine Hauptzielgruppe: Jugendliche.

Das Projekt „Lass 1000 Steine rollen!“ setzt mit seinem alkohol- und drogenfreien Haus und attraktiven Angeboten in den Bereichen Musik und Tanz auf Erlebnisse, die Jugendliche stark machen sollen in der Auseinandersetzung mit Suchtmitteln.
Mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Arbeit, ein Team von SozialpädagogInnen,  die Beratungstelle Kompaß ( Beratung von Kindern und Jugendlichen alkoholabhängiger Eltern ) im Haus, eine breite Palette von Möglichkeiten kreativ zu werden und sich auszudrücken, ermöglichen Jugendlichen eine optimale Freizeitgestaltung und Hilfe bei drängenden Problemen, nicht nur im Suchtmittelbereich.
Generationen von Bands sind im Laufe der Jahre in der Einrichtung entstanden und Rückmeldungen von Menschen, die vor mehr als 20 Jahren das Haus genutzt haben zeigen, welche Bedeutung diese Zeit für sie hatte.


2. Der Rahmen


2.1. Der Träger

Der Verein ”Trockendock" e.V. wurde 1979 noch unter dem Namen " Hilfe für alkoholgefährdete Kinder und Jugendliche" e.V. gegründet und ist gemeinnütziger Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 KJHG.
Der Verein ist einer der größten Träger im Bereich der Jugendhilfe und Suchtprävention auf Hamburger Ebene.
Der Sitz des Vereins befindet sich im Bezirk Hamburg-Nord in der Elsastraße 41. Auf ca. 950 qm befinden sich

  • die Geschäftsstelle des Vereins
  • das “Stammhaus” des Projektes “Lass 1000 Steine rollen!”
  • das Veranstaltungszentrum “Trockendock” und
  • die Beratungsstelle “Kompaß”

Der Verein betreibt vier weitere bezirkliche Projekte:

  • “Lass 1000 Steine rollen !”- Bramfeld
  • “Lass 1000 Steine rollen !”- Kirchdorf-Süd
  • “Lass 1000 Steine rollen !”- Bergedorf
  • “Lass 1000 Steine rollen!” - Mümmelmannsberg / Mädchentreff / Frauenzimmer

Er ist ebenso Träger des überbezirklichen Projektes

  • Die ”Mobile Spielaktion”.

Die Beratungsstelle “Kompaß” richtet sich an Kinder und Jugendliche alkoholgefährdeter Eltern. Hier werden sowohl Gruppenaktivitäten wie auch Einzelberatungen für Kinder und Jugendliche und deren Eltern bzw. deren Bezugspersonen angeboten.
Die Projekte „Lass 1000 Steine rollen!“ arbeiten im Bereich der Jugendhilfe und Suchtprävention. Der Schwerpunkt ihrer Angebote liegt bei Freizeitaktivitäten und Unterrichtsmöglichkeiten für Jugendliche und Jungerwachsene im Bereich Jugend-Kultur und -Musik.

Die ”Mobile Spielaktion“ agiert im Arbeitsgebiet der AussiedlerInnen-, AsylbewerberInnen- und Obdachlosenintegration.


2.2. Standort und Öffnungszeiten

Jugendmusikzentrum Lass 1000 Steine rollen! / Trockendock
Elsastraße 41
22083 Hamburg
Telefon: 040-273877
Telefax: 040-2780259

Das Trockendock ist mit der U3 zu erreichen, entweder über die Station Hamburger Straße oder Dehnhaide.

Erreichbarkeit über das Internet: team@trockendock-hamburg.de
www.trockendock-hamburg.de und Facebook
Es werden Anfragen über das Internet bearbeitet. Fachspezifische Einrichtungen, Studenten und sonstige Interessierte erhalten Informationsmaterial zum Thema.
Das “Trockendock” ist von Dienstag bis Donnerstag von 14.00 bis 22.00 und freitags von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.
Außerdem finden wechselnde Veranstaltungen in der Woche und am Wochenende statt.   


2.3. Räume

Die Beratungsgespräche und Teamsitzungen finden in unseren drei Büros statt. Eines der Büros ermöglicht auch Gespräche mit mehreren Jugendlichen, z.B. Bands oder Tanzgruppen und ist zudem Teamsitzungsraum.
Die Musikaktivitäten werden in speziell ausgestatteten Übungsräumen mit entsprechender Schallisolierung durchgeführt. Es gibt vier Übungsräume verschiedener Größe, wovon drei mit einem Schlagzeug, einer Gesangsanlage und einem Bassverstärker ausgestattet sind. Der vierte Raum ist entsprechend den Anforderungen von Hip Hop-Musik zugeschnitten und dementsprechend mit einer Gesangsanlage, an die man z.B. einen MP3-Player anschließen kann, einem CD-Player und der Möglichkeit ein Turntableset (2 Plattenspieler samt Mischpult) aufzubauen, ausgestattet.
Zusätzliches Equipment wie z.B. Turntables, Gitarrenverstärker, Mikrofone, Keyboards etc. können in unserem Equipmentraum (Raum mit Musikinstrumenten und Verstärkern) ausgeliehen werden.
Somit können auch Jugendliche ohne eigenes Equipment uneingeschränkt an unseren Angeboten teilnehmen.
Für den Musikunterrichtsbereich existieren vier Unterrichtsräume. Ein Raum ist ausgestattet mit zwei Schlagzeugen, ein Raum mit Klavier und Gitarrenverstärkern, ein Raum ohne spezielle Einrichtung. Dieser wird für den Akustikgitarrenunterricht genutzt. Der Bass- und Gesangsunterricht sowie der Chor finden in unserem Multifunktionsraum statt, der u.a. auch für Fortbildungen, Sitzungen und als Backstageraum bei unseren Konzerten genutzt wird.
Der Mädchenraum steht über die ganze Öffnungszeit als Treffpunkt für verschiedenste Aktivitäten zur Verfügung. Er ist von den Mädchen selbst eingerichtet und mit einem Graffiti gestaltet,  mit einer Sofaecke, einem Spiegel über eine ganze Wand, einem Computerarbeitsplatz, einer Musikanlage mit MP3 Anschluss und einem Keyboard ausgestattet. Hier findet auch das Gesangscoaching (Gruppengesangsunterricht) statt.
Der mit Computern ausgestattete Multimediaraum mit 5 Arbeitsplätzen dient als Internetschulungsraum.
Zudem können hier Beats gebaut werden. Auch die Herstellung von Flyer, CD Cover und Booklets sind möglich. Bei Bedarf kann auch Bewerbungstraining abgehalten werden.

Neben den Musikangeboten finden die BesucherInnen im Café weitere Freizeitangebote wie Billard, Kicker, Gesellschaftsspiele etc. vor, sowie ein breitgefächertes Angebot an alkoholfreien Getränken. Das Café stellt den zentralen Anlaufpunkt für sämtliche BesucherInnen dar. Jugendliche haben die Möglichkeit, auch ohne den speziellen Fokus auf Musik hier die ersten Kontakte zu knüpfen.
Eine Bühne bietet Bands eine unaufwendige Auftrittsmöglichkeit und spontane Bühnenaktivitäten. Auch das alljährliche Unplugged-Konzert findet hier statt.

Im Saal, dem eigentlichen „Trockendock“, finden Konzerte, Tanzveranstaltungen, sämtliche wöchentlich stattfindenden offenen Angebote, Diskussionsrunden und Workshops unterschiedlicher Art statt, und NachwuchsmusikerInnen haben hier die Möglichkeit, sich zum ersten Mal dem Publikum zu stellen. Durch die technische Ausstattung (Beleuchtung, Beschallung und Bühne, die über einen kleinen Backstageraum betreten werden kann), können Veranstaltungen mit hohem professionellen Anspruch durchgeführt werden.
Zudem ist eine Küche, ein Tresen und eine Garderobe vorhanden.
Das Erdgeschoss mit dem Veranstaltungsbereich und dem Café ist barrierefrei und mit einer Behindertentoilette ausgestattet.


2.4. Studio

Das Haus verfügt über ein professionell konzipiertes Tonstudio, aufgeteilt in einen Aufnahme- und einen Regieraum. Die Besonderheit hier ist, dass das Tonstudio in Zusammenarbeit mit einem Tontechniker, der eigenes Equipment einbrachte, betrieben wird. MusikschülerInnen und Bands des Hauses können hier zu besonders günstigen Konditionen aufnehmen. Dieses ermöglicht es ihnen, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren und so an erste Auftritte außerhalb des Trockendocks zu kommen. Um gute Ergebnisse zu erzielen, ist eine konsequente Vorbereitung der Songs erforderlich, was sich dann in der Folge auch in qualitativ hochwertigeren Auftritten niederschlägt.
Es besteht hier für Jugendliche die Möglichkeit, einen Einblick in das Berufsfeld der Tontechnik zu bekommen.


2.5. Team

Im Projekt sind für die verschiedenen Arbeitsbereiche derzeit eine Dipl. Sozialpädagogin mit langjähriger Erfahrung in der Drogenarbeit und zwei Dipl. Sozialpädagogen mit Zusatzqualifikationen im musikalischen Bereich mit je 31,5 Std. Stellen beschäftigt.
Während der Öffnungszeiten stehen die pädagogischen Fachkräfte für Gespräche, Anleitung oder organisatorische Fragen und Beratung zur Verfügung, aus der häufig Einzellfallhilfe resultiert. In der Regel sind während der Öffnungszeiten mindestens zwei pädagogische MitarbeiterInnen anwesend.
Die Konzipierung, Planung und Durchführung des Programms und der Angebote sowie  Fallbesprechungen, Reflexion von Situationen aus dem Tagesgeschehen finden in regelmäßig stattfindenden Teamsitzungen statt.
Das hauptamtliche Team ist in drei Schwerpunkte aufgeteilt:

  • Veranstaltungsorganisation und Mädchenbereich
  • Organisation des Bandprobe- und Unterrichtsbereichs
  • Finanzen und Fundraising für spezielle Projekte

Aufgabenbereiche wie Öffentlichkeitsarbeit, Equipmentinstandhaltung, Raumgestaltung etc. werden von allen Hauptamtlichen wahrgenommen.


2.6. Lehrkräfte

Der Musikunterrichtsbereich verfügt über acht Lehrkräfte, mit zum Teil musikpädagogischen und -therapeutischen Qualifikationen. Hierbei orientieren sich die Lehrkräfte an den musikalischen Interessen und Vorlieben der Jugendlichen, erweitern aber auch als akzeptierte Vorbilder das musikalische Spektrum der Jugendlichen.
Der Tanzbereich wird von vier bis fünf Lehrkräften angeleitet, die allesamt aus der jeweiligen Szene kommen. Dieses führt zu hoher Akzeptanz bei den TeilnehmerInnen, da die einzelnen Lehrkräfte ein hohes Ansehen bzw. einen hohen Bekanntheitsgrad in der jeweiligen Szene haben.
Für die Bereiche Bandtraining, sowie bei Veranstaltungen werden zusätzlich Honorarkräfte eingesetzt.


2.7. PraktikantInnen

Wir leiten durchgängig zwei bis vier PraktikantInnen pro Jahr an, kommend von der HAW, der Uni Hamburg, den Erzieherfachschulen, SchulpraktikantInnen, aus Drogentherapie-Nachsorgeeinrichtungen und von Arbeit und Leben / internationales Austauschprogramm.
Die sehr unterschiedlichen Ausbildungshintergründe und Biografien bedürfen einer differenzierten Anleitung und auch unterschiedliche Aufgabenstellungen.


2.8. Suchtprävention und Lass 1000 Steine rollen!

Suchtprävention verfolgt das Ziel, den Missbrauch von Suchtmitteln und süchtigen Verhaltensweisen zu verhindern und die Gesundheit von Menschen zu fördern. Diese Ziele werden verfolgt, indem sich Suchtprävention einerseits auf das individuelle Verhalten von Menschen ausrichtet und andererseits die Beeinflussung gesellschaftlicher Strukturen verfolgt. (vgl. Expertise zur Prävention des Substanzmissbrauchs. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung. BD.29, BzgA Köln 2006, Seite 105)
Zunächst einmal sind Rockmusik und Drogenkonsum in der öffentlichen Wahrnehmung eng miteinander verbunden. Zum einen gibt es den tatsächlichen Drogenkonsum vieler bekannter Größen (Amy Winehouse, Kurt Cobain, Pete Doherthy). Zum anderen wird immer wieder ganz selbstverständlich beim Thema Rockmusik die Nähe zu Suchtmitteln assoziiert. Suchtmittel aller Art sind ein Erfahrungswert, ein alltäglicher Bestandteil im Leben vieler Jugendlicher. Unser Projekt bietet Jugendlichen die Möglichkeit, für Stunden  bzw. für bestimmte Zeiträume auf ihre Droge zu verzichten, durch aktives, kreatives gemeinsames Tun eine Alternative zum Suchtmittelkonsum zu erleben.
Die Zurverfügungstellung voll ausgestatteter Übungsräume mit kompletter Equipmentausstattung führt bei der seit Jahren angespannten Situation auf dem Proberaummarkt dazu, dass auch Jugendliche, die nicht unmittelbar suchtgefährdet sind, unser Angebot nutzen. Diese Vermischung ist von uns auch gewollt, denn sie hat zur Konsequenz, dass die Arbeit der 1000 Steine nicht zu einem Ghetto für Suchtmittelgefährdete wird. Der Kontakt zwischen SuchtmittelkonsumentInnen und NichtkonsumentInnen kann dazu führen, dass erstere die Erfahrung machen können, dass Jugendliche auch ohne Drogen mit dem Leben klar kommen können. Neben der Vermischung ist es unserer Ansicht nach auch wichtig, NichtkonsumentInnen einen drogenfreien Freizeitort zu schaffen.
Zudem treffen die Jugendlichen auf ein kompetentes Team aus erfahrenen SozialpädagogInnen, die sowohl situationsbezogen auf das Thema eingehen, als auch fundierte Beratung in allen die Suchtmittel betreffenden Themen anbieten.
Das kann sowohl Einzelberatung unmittelbar nach Ansprache oder mit abgesprochenen Terminen, als auch Gruppenberatung nach Situationen oder Ereignissen sein. Je nach Schwere der Probleme kann es einen oder mehrere Termine geben, je nach Bedarf wird auch an spezielle Beratungsstellen oder Einrichtung verwiesen und manchmal der Erstkontakt unter unserer Begleitung hergestellt.

Lass 100 Steine rollen! bietet Jugendlichen aus der Drogentherapienachsorge durch die Abwesenheit von Alkohol und Drogen einen idealen Raum zur Freizeitgestaltung und gute Bedingungen zum Aufbau eines drogenfreien Umfeldes.
Wir bieten ihnen im Rahmen der Nachsorge die Möglichkeit bei uns Praktika zu machen, entweder im Rahmen einer Ausbildung oder auch zur Gewöhnung an regelmäßige Arbeit. Hierbei klären wir mit den jeweiligen Jugendlichen im Vorwege genau ab, ob unser Angebot und die Möglichkeiten, die wir bieten können für sie in ihrer persönlichen Situation und Phase geeignet sind. Die besondere Situation dieser Jugendlichen Bedarf einer sensiblen Einschätzung der Vorgeschichte, der Bedeutung von Musik und früherem Drogengebrauch und der Stabilität zum Zeitpunkt des Praktikumswunsches. Häufige Anleitungsgespräche, Feedbacks und gemeinsame Reflexionen der Erlebnisse im Praktikum sind in diesem  Fall unabdingbar.
Jugendliche aus Drogentherapieeinrichtungen oder Jugendwohngruppen haben auf unseren Unterrichtswartelisten Vorrang. Bei diesen Jugendlichen stellen wir einen erhöhten Gespräch-, Beratungs- und Betreuungsbedarf fest, auf den wir flexibel eingehen.


2.9. Förderungsgrundlage

Grundlage sind die §§ 11,13,14 Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) in Verbindung mit Nr. IV.3.2 des Landesförderplans „Familie und Jugend“ Beschlussfassung des Landesjugendhilfeausschusses vom 12.07.2010.


2.10. Zielgruppen und Einzugsgebiet

Die Angebote richten sich gemäß SGB VIII an junge Menschen bis 27 Jahre.
Hauptzielgruppe sind Jugendliche im Alter von 14-18 Jahren im allgemeinen für die Angebote im offenen Bereich. Insbesondere an junge Menschen in schwierigen sozialen Verhältnissen, problematischen Lebenslagen und junge Menschen mit  Suchtproblemen aller Art sowie junge Menschen aus Drogen- und anderen Therapieeinrichtungen richten sich die Angebote im Musikbereich. Darüber hinaus richten sich unsere Angebote an alle Jugendlichen.

AdressatInnen der Angebote sind darüber hinaus Eltern und sonstige Bezugspersonen, sowie haupt- und ehrenamtliche MultiplikatorInnen aus dem Jugendhilfe-, dem Schul- und Gesundheitsbereich.

Das Projekt hat seinen Sitz in der Elsastraße in Barmbek. Die Zugänge zum Projekt gestalten sich unterschiedlich. Aus den umliegenden Stadtteilen kommt die “Laufkundschaft” der BesucherInnen. Außerdem sorgt die enge Zusammenarbeit mit den bezirklichen Projekten für einen ständigen Zulauf aus fast allen Bezirken Hamburgs.

Da das Projekt hamburgweit als Veranstaltungsort bekannt ist, bekommt ein großer Anteil der Besucherinnen über diese Veranstaltungen den Kontakt zum Projekt oder wird durch unsere regelmäßige Werbung im Internet, diversen Printmedien und Radio auf uns aufmerksam.


2.11. Partizipation

Es werden regelmäßig Vollversammlungen mit den Besucherinnen und Besuchern durchgeführt. Diese Versammlungen dienen als Austausch und Ideenbörse um  Ideen und Anregungen für  neue Angebote zu sammeln und Rückmeldungen über die Akzeptanz der bestehenden Angebote zu erhalten. Hier werden auch die regelmäßig stattfindenden Haus- und Schülerkonzerte sowie weitere Aktivitäten geplant und vorbereitet.
Die Partizipation findet auch in vielen alltäglichen Situationen statt, z.B.:

  • Programmmitgestaltung (unsere wöchentlichen Tanzangebote gehen meistens auf die Anregung von Jugendlichen zurück)
  • Unterstützung Jugendlicher bei der Initiierung, Planung, Organisation und Durchführung eigener Veranstaltungen, eigenständige Raumnutzung (z.B. der Proberäume und des Mädchenraumes, den häufig mehrere Gruppen von Mädchen, größtenteils mit afrikanischem Migrationshintergrund, parallel nutzen möchten, was ein sich miteinander arrangieren der Mädchen erforderlich macht)
  • durch die Mitgliedschaft im Trägerverein

Nicht zuletzt ist unser Vereinsvorsitzender ein ehemaliger Nutzer unserer Einrichtung.


2.12. Angebotsstruktur

Lass 1000 Steine rollen! leitet aus diesem Rahmen folgende Angebotsstrukturen ab:

  • Bereitstellung von alkohol- und drogenfreien Erfahrungsräumen und Erlebnismöglichkeiten
  • Bereitstellung von Möglichkeiten zur Erweiterung von Schlüsselkompetenzen, spezifischen Fähigkeiten und sozialer Kompetenzen
  • Bereitstellung von Möglichkeiten zu sozialem Kontakt und Austausch
  • Bereitstellung von Angeboten mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen
  • Hilfeangebote über Beratung, Begleitung und Weitervermittlung an Beratungsstellen und andere Einrichtungen der Jugendhilfe
  • Durchführung von Veranstaltungen, Förderung von Kooperationsprojekten und Fremdaktivitäten sowie der selbständigen Nutzung der Einrichtung durch Jugendliche

Das Projekt Lass 1000 Steine rollen! hält jugendspezifische Angebote im Bereich der Freizeitarbeit, Beratung und Suchtprävention vor.

Der niedrigschwellige Zugang über den Freizeitbereich mit unseren speziell ausgestatteten Räumlichkeiten und dem offenen Bereich im “Trockendock” bietet Jugendlichen / Jungerwachsenen Erlebnismöglichkeiten, die ihnen auf Grund ihrer Wohn- bzw. sozialen Situation oftmals nicht zur Verfügung stehen.
Ein wichtiger Faktor ist der Austausch über szenetypische Grenzen hinweg. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe verbinden sich durch gemeinsame Aktivitäten und Darbietungen.
Der Kontakt zwischen den Jugendlichen / Jungerwachsenen und den SozialpädagogInnen findet auf freiwilliger Basis mit gegenseitigem Respekt, ohne den Druck einer vorgegebenen Defizitorientierung statt.

Respekt den Jugendlichen gegenüber bedeutet z.B. Wertschätzung der kreativen Fähigkeiten, die die Jugendlichen mitbringen. Sowohl wir als auch die Jugendlichen untereinander lernen sehr viel über ihre unterschiedliche Herkunft in den hier stattfindenden Angeboten. Dies bezieht sich auf unterschiedliche kulturelle und soziale Hintergründe.
Die Jugendlichen respektieren die MitarbeiterInnen, da sie hier attraktive Angebote zur Freizeitgestaltung vorfinden, an denen sie außerhalb dieser Einrichtung oftmals aus finanziellen Gründen nicht teilnehmen können. Diese Angebote können sie aktiv mitgestalten. Die unterschiedlichen beteiligten Personen im gesamten Team bringen umfangreiches Wissen und Erfahrungen mit, was von den Jugendlichen sehr wertgeschätzt wird.

Die Arbeit von Lass 1000 Steine rollen! zeichnet sich durch ein fortwährendes Überprüfen der Aktualität der bestehenden Angebote und der Offenheit und Flexibilität gegenüber aktuellen jugendkulturellen Entwicklungen und Anregungen von Seiten der Jugendlichen aus. Dadurch haben wir sowohl Angebote, die schon seit sehr vielen Jahren existieren, aber auch immer wieder neue, aktuelle Angebote, welche alte, nicht mehr attraktive Angebote ablösen.


3. Angebote / Leistungen

Beratung und Einzelfallhilfe bei Sucht-, Schul- oder sonstigen Problemen

  • qualifizierte Einzelberatung durch erfahrene SozialpädagogInnen
  • Begleitung zu den Eltern, zur Schule, zum Sozial- und/oder Arbeitsamt, Jugendamt etc.
  • Beratung von Eltern und sonstigen Bezugspersonen
  • Vermittlung an weiterführende Einrichtungen der Jugendhilfe, Beratungsstellen oder der Suchtkrankenhilfe


Einzel- und Gruppenunterricht zur Förderung der persönlichen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen

  • Gitarre
  • Bass
  • Schlagzeug
  • Gesang
  • Klavier

Durchführung von fortlaufenden Gruppen

  • Popchor
  • Hip Hop Tanzkurs für Mädchen
  • Gesangscoaching für Mädchen
  • Percussionkurs

Durchführung von Workshops zu unterschiedlichen Themen zur Erweiterung der eigenen Fähigkeiten oder/und zur beruflichen Orientierung z.B.:

  • Beschallungstechnik
  • Studiotechnik
  • Musikproduktion am Computer
  • Gitarre, Schlagzeug...

Veranstaltung von Ferienworkshops z.B.:

  • Krump
  • Graffiti
  • Breakdance
  • Tonstudio

Offene Angebote im Tanzbereich mit Wurzeln in unterschiedlichen kulturellen Herkunftsländern
für alle zugänglich, kostenlos, keine zwingende regelmäßige Teilnahme, qualifizierte Anleitung in z.B.:

  • Krump
  • Breakdance
  • Krumpography
  • House-Dance

Bandtraining

  • Unterstützung im Songwriting
  • Unterstützung im Zusammenspiel
  • Unterstützung in schwierigen gruppendynamischen Prozessen
  • Bühnenpräsenz

Bereitstellung von Übungsmöglichkeiten für Bands und EinzelmusikerInnen

  • geringer monatlicher TeilnehmerInnen-Beitrag
  • vertragliche Festlegung unserer Regeln wie z.B. alkohol- und drogenfreie Nutzung, Gewaltfreiheit, gegenseitiger Respekt

wir bieten:

  • Bereitstellung sämtlichen Equipments
  • Unterstützung in diversen musikalischen Belangen

Verschaffen von Möglichkeiten zur Darbietung der Ergebnisse/Auftritte

  • auf der Bühne des Trockendocks (Saal)
  • auf der Bühne im Café
  • Open Air hinter dem Haus

Veranstaltung von interkulturellen Darbietungen

  • z.B. im Rahmen des Black History Month

Veranstaltung von Schülerkonzerten

  • Präsentation des Erlernten aus den Musikunterrichtsbereichen
  • erste Banderfahrungen werden gesammelt

Organisation und Begleitung von Auftritten für probende Bands, auch außerhalb des Projektes
auf den Bühnen von Kooperationspartnern wie z.B.:

  • Motte
  • Kampnagel
  • Stadtteilveranstaltungen
  • Haus 3
  • Kulturpunkt im Basch
  • Jugendzentren im europäischen Ausland

Betrieb eines alkoholfreien Cafés zur Förderung einer drogen- und alkoholfreien Jugendkultur

  • zentraler Anlaufpunkt
  • erste Kontaktaufnahme
  • Ort der Begegnung verschiedenster jugendkultureller Strömungen und unterschiedlicher Migrationshintergründe

Spezielle Angebote für Mädchen wie Offener Bereich für Mädchen, Workshops, Veranstaltungen, Bereitstellung eines Mädchenraumes

  • Wöchentliche Gruppenangebote: Hip Hop Tanzkurse und das Gesangscoaching
  • Mädchenraum (jede Öffnungszeit freie Nutzung)
  • Veranstaltungen (jährlich): Mädchen Rocken Barmbek (Mädchenbandfestival) und Mädchentage Herbstflimmern

Unregelmäßig:

  • Mädchenübernachtungen
  • Workshops: Intensivworkshops im Bereich Tanz und Musik und Internetworkshops
  • Suchtpräventionsprojekte wie z.B. für  „Kunstrausch“

Spezielle Angebote für Jungen

  • Workshops
  • Aktive Teilnahme am projektübergreifenden Hamburger Jungentag
  • Übernachtungen

Kooperation mit Einrichtungen der Jugendhilfe, des Schul- und Gesundheitssystems sowie im Bereich der Suchtprävention tätiger Einrichtungen und Institutionen

  • Büro für Suchtprävention
  • Drogentherapieeinrichtungen für Jugendliche z.B. Come In!
  • Häuser der Jugend
  • andere 1000 Steine-Projekte
  • verschiedene Schulen und außerschulische Bildungseinrichtungen
  • Kulturzentren
  • Therapieeinrichtungen
  • Jugendwohngruppen
  • Fachkliniken und therapeutischen Wohngemeinschaften
  • Behinderteneinrichtungen
  • Beratungsstellen (z.B. für Asylbewerber)
  • jugendpsychiatrischer Dienst
  • Selbsthilfegruppen wie z.B. anonyme Alkoholiker
  • Mädchentreffs
  • UKE / Drogen und Jugendliche
  • Spendenparlament
  • Arbeit und Leben
  • Jugendhilfeausschüsse
  • Initiativen der Jugendsozialarbei
  • Kulturpunkt im Basch
  • LUKULULE
  • Black History Month
  • Die Motte
  • Kampnagel

Durchführung von Multiplikatoren- und Öffentlichkeitsarbeit

  • Hospitationen (Schüler-, Ausbildungs- und Studentengruppen aus dem ganzen Bundesgebiet)
  • Führungen mit anschließender Diskussionsrunde über unsere inhaltliche Arbeit (Politiker,  Fachkollegen, interessierte Öffentlichkeit)
  • Austausch mit Fachkräften aus anderen Einrichtungen


4. Konzeptionelle Inhalte


4.1. Arbeitsgrundlage und Ziele

Das übergeordnete Ziel ist die Förderung Jugendlicher zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten. Junge Menschen werden in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung gestärkt, Benachteiligungen werden vermieden, gemildert oder abgebaut. Besondere Berücksichtigung erfahren sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte junge Menschen. Sie erhalten sozialpädagogische Hilfen zur Förderung der schulischen und beruflichen Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und sozialen Integration.

Diese Hilfen sind lebensweltorientiert, knüpfen an den Interessen junger Menschen an und ermutigen zur Selbstbestimmung und zur Übernahme gesellschaftlicher Mitverantwortung. Weiterhin sollen die Angebote die jugendlichen und jungerwachsenen BesucherInnen und Besucher zu einem kritischen Umgang mit Suchtmitteln befähigen.


4.2. Musik als Lebenswelt von Jugendlichen

Unumstritten ist, dass Musik für viele Jugendliche eine große Bedeutung hat und eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen ist.
Orientiert man sich nun an dieser Lebenswelt und an den Bedürfnissen der Jugendlichen, entsteht eine Art „Selbstlauf-Mechanismus“. Dadurch, dass man Jugendlichen einen Raum zur Verfügung stellt, in dem sie kreativ und produktiv tätig sein können und diese Kompetenzen auch im weiteren Verlauf auf Konzerten oder
durch Studio-Aufnahmen präsentieren können, erhält ihr Tun und Handeln einen für sie einsehbaren Sinn. Durch den langwierigen Prozess von der Bandgründung bis hin zu den ersten Auftritten und den ersten Aufnahmen, durch weitere kreative Tätigkeiten, wie das Gestalten von Flyern oder CD-Inlays bis hin zur Organisation von Konzerten und Öffentlichkeitsarbeit finden Lernprozesse im realen Feld statt.
Die sozialpädagogische Praxis kann durch den Musikbezug einen ganz anderen Sinn bekommen, weil durch den Gebrauch des Mediums Musik neue Motivationen bei den Jugendlichen freigesetzt werden.
Pädagogisch gestiftete „Laborsituationen“ fallen weg, in denen Jugendliche „künstlich“ zusammengebracht werden, um z.B. ihr soziales Verhalten zu trainieren.
Damit ist ein besonderes Merkmal von Musik angesprochen, nämlich dass sie gruppenkonstituierend ist. Jugendliche finden sich interessenbezogen zusammen, mit dem gemeinsamen Ziel, z.B. um Musik zu machen oder zu tanzen. Daher sorgen wir als Einrichtung auch in erster Linie dafür, dass den Jugendlichen ein Raum zur Verfügung steht, in dem sie ihre untereinander ausgehandelten Ziele verwirklichen können. Somit ist sowohl den Jugendlichen ein Stück weit geholfen und auch für uns erschließen sich bessere Möglichkeiten, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen.
Wenn es unter diesen Rahmenbedingungen dann zu regelmäßigen Proben kommt oder die Jugendlichen regelmäßig an unseren offenen Tanzangeboten teilnehmen, ist der Grundstein gelegt, damit sich weitere „Selbstlauf-Mechanismen“ entfalten können.


4.3. Aneignung von Schlüsselkompetenzen

Damit eine Gesellschaft gut funktioniert, werden Schlüsselkompetenzen ihrer Mitglieder wie Selbstkompetenz, Sozialkompetenz und Methodenkompetenz benötigt.

Jugendliche sind zunehmend mit einer Vielzahl von Anforderungen konfrontiert. Um all diesen Anforderungen, sowohl zur eigenen Zufriedenheit als auch hinsichtlich den Erwartungen der Gesellschaft, gerecht zu werden, benötigen Jugendliche eine Reihe von Schlüsselkompetenzen. Da diese Schlüsselkompetenzen aber nicht nur, oder zum Teil nur unzureichend, durch Schule und Familie angeeignet werden, leisten auch Gleichaltrige und die Aktivitäten in Einrichtungen wie dem Trockendock ihren wesentlichen Beitrag. Wir beobachten immer wieder, dass es bei den Jugendlichen nicht nur zum Erwerb von z.B. musikalischen Fähigkeiten kommt, sondern auch andere Kompetenzen erworben werden wie z.B. Durchhaltevermögen, Flexibilität, soziales Verhalten, Konfliktfähigkeit, Toleranz oder eigenständige und kreative Problemlösungen.


4.4. Entwicklungschancen für Jugendliche durch den Einsatz von Musik als Medium

Wir beobachten häufig Erfolgserlebnisse, die durch das aktive Musizieren hervorgerufen werden. Erfolgserlebnisse sind wichtig für alle Menschen, aber aufgrund der zahlreichen Veränderungen und den damit verbundenen Verunsicherungen während der Jugendphase, enorm wichtig für Jugendliche und deren Entwicklung. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass Erfolgserlebnisse in der Schule nur unter gewissen Bedingungen einsetzen, deren Voraussetzungen nicht alle Jugendliche erfüllen, und dass mittlerweile eine Reihe von unterschiedlichen Studien einen direkten Zusammenhang von schulischem Misserfolg und auffälligen bzw. delinquenten Verhalten belegen, hat die Jugendarbeit die wichtige Aufgabe, schulische Misserfolge durch das Freisetzen anderer Ressourcen und Fähigkeiten zu kompensieren. Die Rahmenbedingungen hierfür sind gut. So ist z.B. das Beziehungsverhältnis zu den in der Jugendarbeit tätigen PädagogInnen in der Regel ein anderes, eher partnerschaftlich und dadurch, dass die eigenen Interessen der Jugendlichen im Vordergrund stehen (sollten), ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass Erfolgserlebnisse einsetzen. So werden Fortschritte beim Spielen eines Instrumentes oder gutes „rappen“ von den Bandmitgliedern, anderen Gleichaltrigen oder den PädagogInnen gelobt. Oder es setzt Anerkennung bei Live-Auftritten in Form von Applaus und Zuspruch ein. Das alles kann zur Stärkung des Selbstbewusstseins führen und dafür sorgen, dass Konflikte besser verarbeitet werden, und dass die Jugendlichen toleranter und ausgeglichener sind.
Auch die Selbsterfahrung ist eine wichtige Entwicklungsdimension. Durch die ästhetischen Ausdrucksprozesse in Form von musikalischen Aktivitäten, können
Jugendliche sich selbst erfahren und dabei Lernerfolge wahrnehmen, ohne dass sie die Anerkennung von außen benötigen. Es handelt sich also um einen inneren Prozess, der einsetzt, sobald Übungsprozesse, wie z.B. das Erlernen von neuen Gitarrengriffen, zu einem sichtbaren bzw. hörbaren Erfolg führen. Die Klangereignisse dienen dabei zur Lernkontrolle und erweitern zugleich das Selbstwahrnehmungsspektrum. Dies schafft, wie jeder andere Lernerfolg auch, Selbstbewusstsein.
Natürlich hat auch die Interaktion mit anderen Menschen Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung. Durch die direkte und analoge Kommunikation beim gemeinsamen Musizieren, ist die Band als musikalische Gruppenarbeit hierzu besonders gut geeignet.
Es kommt zu sozialem Lernen. Die Bereitschaft zur Kooperation mit anderen ist Voraussetzung für ein gelingendes Miteinander in einer Band aber auch im „richtigen Leben“. Es müssen individuelle Bedürfnisse und Beiträge auf das Gruppengeschehen angepasst werden. Besonders im musikalischen Zusammenspiel wird deutlich, wenn jemand die Gruppe zu dominieren versucht und den anderen somit den Spielraum zur Entfaltung nimmt.
Ausdrucksfähigkeit und der Umgang mit Gefühlen sind weitere Kompetenzen, die durch das Medium Musik erlangt bzw. ausgebaut werden können. Durch das Erzeugen von Tönen, von Melodien ergibt sich die Möglichkeit, sie nonverbal mitzuteilen.
Auch ist zu beobachten, dass es zu einem kreativen Schaffen kommt. Nicht nur in Bezug auf die Eigenkompositionen der Jugendlichen, sondern auch Neuinterpretationen von bekannten Musikstücken. Oder das Lösen von Problemen, wenn sich z.B. jemand bei einem Auftritt verspielt und ein anderes Bandmitglied die Initiative ergreift, damit es zu keinem Spielabbruch kommt oder die wechselseitige Inspiration beim Proben, wenn Bandmitglieder auf neu angespielte Ideen einsteigen.
Wandlungsprozesse finden ebenfalls statt. Zum einen hinsichtlich der Strukturierung von Freizeit und der Erweiterung des Interessengebietes, zum anderen als Überwindung und Bewältigung von Krisen. Befriedigende soziale Beziehungen und Erfolgserlebnisse aus dem Bereich der Musikaktivitäten werden auf schulische Probleme oder auf Konflikte mit den Eltern übertragen und helfen dabei, diese auszuhalten. Es findet also eine Art Modellernen statt, eine Übertragung von Bewältigungsstrategien auf andere Lebensbereiche.
All diese Beobachtungen machen deutlich, dass eine Gruppenarbeit mit dem Medium Musik vielfältig auf einzelne Personen wirken kann, bei dem vor allem ein wachsendes Selbstbewusstsein hervorsticht.


4.5. Inhaltlicher Schwerpunkt: Das Medium Musik und Tanz

Musik wird im Projekt Lass 1000 Steine rollen! als Medium und als Möglichkeit eingesetzt, sinnvoll die Freizeit zu verbringen. Gleichzeitig wird die Möglichkeit geschaffen, mit Jugendlichen / Jungerwachsene Kontakt aufzunehmen und eine Basis für Kommunikationsprozesse aufzubauen.

In der Musik zeigen sich die unterschiedlichen kulturellen und jugendkulturellen Strömungen der aktuellen Jugendzeit, die Anlass zur Auseinandersetzung mit der persönlichen Situation geben und die Möglichkeit bieten, entsprechende Gesprächssituationen zu initiieren.

Die Stilrichtungen der praktizierten oder gehörten Musik sind vielfältig und nicht nur auf Rockmusik beschränkt. Sämtliche Stilrichtungen tauchen in der täglichen Arbeit auf, Metal, Punk, R'n'B, Soul, Deutsch-Pop, Hip Hop um nur einige zu nennen. Es wird versucht über Konzipierung, Planung und Durchführung entsprechender Angebotsformen ein möglichst breites Spektrum der Bedürfnisse zu berücksichtigen. Dieses äußert sich in der Bereitstellung der technischen Voraussetzungen, der Flexibilität der Lehrkräfte im Musikunterricht, der Ausrichtung spezieller Workshops in die jeweilige Richtung und bei Veranstaltungen initiieren wir Begegnungen von Gruppen unterschiedlichster Stilrichtungen.

Neben dem Verbringen ihrer Freizeit haben die Jugendlichen/Jungerwachsenen die Möglichkeit:

  • Instrumente zu erlernen
  • Gesangunterricht zu nehmen
  • sich zu Bands zusammen zu finden
  • gemeinsame Proben durchzuführen und aufzutreten
  • sich mit unterschiedlichen kulturellen und jugendkulturellen Gruppen auszutauschen
  • Beratung und Einzelfallhilfen bei den pädagogischen Fachkräften zu erhalten.

Seit einigen Jahren haben wir die Tanzangebote erheblich ausgeweitet. Die Tanzangebote haben unterschiedliche kulturelle Wurzeln, was zum einen dazu führt, dass sowohl die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft aber auch die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen stattfindet.
Als Beispiel eine kurz Beschreibung des Tanzes „Krump“:

KRUMP steht für Kingdom Radically Uplifted Mighty Praise
Entstanden ist Krumping in der afroamerikanischen Gemeinde von South Central in  Los Angeles. Es ist ein expressiver, aggressiver und ausdrucksstarker  Freestyle-Tanz, der im Wesentlichen aus „Stomps“ ( Stampfen), „ Chestpops“ ( die Brust blitzartig hochschnellen lassen), „ Armwings“ ( die Arme schwingen) und „Groundmoves“,  die auf dem Boden stattfinden, besteht. Die Moves erinnern an afrikanische Stammesrituale, von denen sie auch beeinflusst sind. Krump kann als Street Version des Gebets gesehen werden.
Krump – Tänzer und Tänzerinnen tanzen sich in einen emotional geladenen Zustand und wandeln Wut in Energie um. Ihr Tanz verdeutlicht soziale Missstände und Erfahrungen von Diskriminierung.

Dieses stark frequentierte Angebot findet bei uns seit einigen Jahren statt. Was zunächst zögerlich anfing und uns viele neue Jugendliche mit afrikanischen Wurzeln ins Haus brachte, ist mittlerweile zu einer festen Größe geworden. Neben unserem offenen Angebot, welches von einem Trainer angeleitet wird und interessierten AnfängerInnen den Einstieg ermöglicht, nutzen Fortgeschrittene auch eigenständige Trainingszeiten.

Aus diesem Kulturkreis und den vielen neuen Jugendlichen haben sich diverse andere Tanzangebote entwickelt, die über die vergangenen Jahre bei uns im Trockendock stattgefunden haben bzw. noch stattfinden.


4.6. Geschlechtsspezifischer Arbeitsansatz – Gender Mainstream

Pädagogische Arbeit mit Jugendlichen, die der Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit für die persönliche Identität einen hohen Stellenwert beimisst, stärkt die Potentiale der Mädchen und Jungen gleichermaßen, damit diese eine selbstbestimmte Geschlechtsidentität entwickeln und leben können. Sie orientiert sich dabei an den Jugendlichen, ihrer Kultur, ihren Werten und ihrer Körperlichkeit und unterstützt und begleitet auch Jugendliche mit außergewöhnlichen Beziehungs- und Lebensentwürfen.
Die Atmosphäre, die Art des Umgangs miteinander, die Raumausstattung und die Angebotspalette sollen Mädchen und Jungen ansprechen und den Bedürfnissen beider Geschlechter entsprechen. Der Prozess der Gleichstellung von Jungen und Mädchen wird in den Rahmenbedingungen und den Angeboten berücksichtigt.
Gender Mainstream als umfassendes und übergreifendes Prinzip erfordert zudem ein möglichst heterogenes Team, deren Pädagoginnen und Pädagogen sich auch mit der eigenen Geschlechtsidentität auseinander setzen.

Diese Leitlinien fließen in die gesamte pädagogische Arbeit von Lass 1000 Steine rollen! ein. Jedes Angebot wird so eingerichtet, dass es für Mädchen und Jungen gleichermaßen attraktiv ist und eine gleichberechtigte Nutzung durch beide Geschlechter möglich ist. Beim Angebot Krump z.B. war der Mädchenanteil zu Anfang sehr gering. Durch unsere Intervention, einerseits durch Einrichtung von -Krump-Workshops für Mädchen, andererseits durch eine Auseinandersetzung mit den Trainern, die dazu führte, ein stärkeres Augenmerk auf die Förderung von Mädchen zu richten, gelang es, den Anteil an Mädchen erheblich zu steigern.

Darüber hinaus gibt es Angebote für Mädchen und Angebote für Jungen, um die Auseinandersetzung unter gleichgeschlechtlichen Jugendlichen zu ermöglichen und die Möglichkeit zu bieten, Dinge auszuprobieren, sehr persönliche oder inhaltliche Auseinandersetzungen zu führen, bei der die Anwesenheit von „VertreterInnen“ des anderen Geschlechts hemmend oder einschränkend wirken würde.


4.7. Mädchenspezifische und jungenspezifische Angebote

Mädchen der heutigen Generation haben aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen die Option selbstbestimmte Zukunftsvorstellungen aus einer Vielfalt von Möglichkeiten zu entwickeln. Bei dem Versuch der Umsetzung ihrer Lebensentwürfe wird ihnen jedoch häufig der Widerspruch zwischen scheinbarer Gleichberechtigung und Gleichbehandlung und realen Benachteiligungen bewusst. So haben Mädchen eine höhere Schulbildung, trotzdem sind ihre Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt schlechter, als die der gleichaltrigen Jungen.
Das moderne Mädchenbild stellt hohe und z.T. widersprüchliche Anforderungen und Erwartungen an Mädchen. Sie sollen alles können, stark und schön, unabhängig und anpassungsfähig sein, in ihrem späteren Leben eine berufliche Karriere machen und gleichzeitig Kinder großziehen.
Parallel wirken konservative Geschlechterrollenbilder je nach kulturellem und ethnischem Hintergrund, Erziehungsvorstellungen oder Sozialisation der Herkunftsfamilien weiter. Sie stellen Verhaltensanforderungen an Mädchen, die diametral zu dem modernen Mädchenbild stehen und im Bild einer gleichberechtigten Gesellschaft eigentlich nicht vorkommen. 

Lebensweltorientierte Mädchenarbeit orientiert sich an den Stärken, Fähigkeiten und Bedürfnissen von Mädchen. Sie hat die sie einschränkenden gesellschaftlichen Bedingungen ebenso wie ihre sozialen Bedingungen und persönlichen Voraussetzungen, sowie ihre Probleme und Erfahrungen im Blick.
Ziele sind hier:

  • Erkennen der eigenen Fähigkeiten und Stärken, und Vertretung derselben im gesellschaftlichen Leben.
  • Einordnung der eigenen Situation in individuelle und gesellschaftliche Zusammenhänge.
  • Stärkung des Selbstbewusstseins und der Selbstwahrnehmung als eigenständige Subjekte, die aktiv und selbstbestimmt ihr Leben gestalten.
  • Überprüfung gängiger Geschlechterrollenbilder und Entwicklung einer eigenständigen positiven Geschlechtsidentität.
  • Selbstbewusster Umgang mit der eigenen Sexualität
  • Erkennen und Wahrnehmung eigener Mitgestaltungsmöglichkeiten
  • Umsetzung eigener Ideen auf dem Hintergrund von Konflikt- und Entscheidungsfähigkeit.

Ziel des gesamten Teams ist es, die Einrichtung in seinen vielfältigen Möglichkeiten für Mädchen und junge Frauen so attraktiv wie möglich zu machen. Das dies gelingt, zeigt sich in der Tatsache, dass der Mädchenanteil in unserer Einrichtung seit  etlichen Jahren steigt und z.T. bei über 50% liegt . Dies liegt  neben der Attraktivität der Angebote vor allem an der Haltung des gesamten Teams und der daraus resultierenden Atmosphäre.

Lass 1000 Steine rollen! bietet verschiedene mädchenspezifische Gruppenangebote, Veranstaltungen, Projekte und Workshops.
Bei der Planung und Ausgestaltung der Angebote und bei Entscheidungsprozessen werden Mädchen beteiligt:
Der Mädchenraum steht über die gesamte Öffnungszeit für die eigenständige Nutzung zur Verfügung.
Wöchentlich stattfindende Gruppenangebote:
HipHop Tanzkurse für Mädchen verschiedener Alterstufen und das Gesangscoaching.
Jährlich stattfindende Veranstaltungen:
- Mädchentage Herbstflimmern ( Kooperationsveranstaltungen aller Mitarbeiterinnen des Vereins Trockendock e.V.) 
- Das Mädchenbandfestival  „ Mädchen Rocken Barmbek“ (Kooperationsveranstaltung mit dem Kulturpunkt im Basch und Kampnagel auf Kampnagel)
Unregelmäßig stattfindende Gruppenangebote, Projekte und Workshops:
-Mädchenübernachtungen
-Intensivworkshops in den Ferien für Mädchen in jungen- und männerdominierten Genres im Bereich Musik und Tanz wie z.B. Beatbox, Krump, Breakdance
Spezielle Angebote für Mädchen im Suchtpräventionsbereich, unter Berücksichtigung  mädchenspezifischer Problemlagen und weiblicher Konsummuster bezüglich Alkohol, Drogen und Tabletten, wie z.B. die Projektarbeit im Rahmen des Projektes „Kunstrausch“, die theoretische Auseinandersetzung und kreative praktische Anteile miteinander verbindet.
Internetworkshops in Zusammenarbeit mit Dunkelziffer e.V., die sehr praxisnah die Gefahren der Nutzung sozialer Netzwerke und Chatrooms thematisieren, Alternativen der Nutzung aufzeigen, und Handlungsmöglichkeiten z.B. im Umgang mit unliebsamen Bekanntschaften durch das Internet geben.

Im Rahmen der geschlechtsspezifischen Arbeit werden für die männlichen Besucher analoge Angebote bei Bedarf initiiert und durchgeführt. Hierbei handelt es sich um Workshops mit jungenspezifischen Themen und Übernachtungen im Trockendock und um die aktive Teilnahme am projektübergreifenden Hamburger Jungentag.


4.8. Integration

Im Rahmen der Jugendarbeit ist Integration ein wechselseitiger Prozess, der ein aufeinander Zugehen sowohl von Migrantinnen/Migranten als auch der Mitglieder der Aufnahmegesellschaft beinhaltet und allen Beteiligten gleiche Mitwirkungsmöglichkeiten bietet. Um den beidseitigen Annäherungsprozess einer Integration zu fördern, ist der kulturelle Hintergrund von Migrantinnen/ Migranten bei der Gestaltung der Angebote, sowie bei der Beteiligung junger Menschen einzubringen und zu berücksichtigen. Ein gelingender Integrationsprozess kann durch die Beteiligung beider Seiten an gemeinsamen Projekten, die zum Beispiel der Annäherung an einen fremden Kulturkreis dienen, gefördert werden. Integration bewährt sich bei der Nutzung von Begegnungsräumen, die durch die Einrichtung arrangiert werden, und soll Jugendlichen mit Migrationshintergrund den Gestaltungsraum gewähren, selbst den „Grad der Eingliederung“ zu bestimmen. Diese Begegnungsräume bauen einerseits auf Gemeinsamkeiten auf, versuchen sie zu stärken und machen auf der anderen Seite auf Unterschiede aufmerksam und bewerten diese positiv.
Jugendliche mit Migrationshintergrund sind wie alle anderen Jugendlichen in dieser Lebensphase damit beschäftigt, ihre Identität zu suchen und zu definieren, deshalb ist es wichtig Jugendliche mit Migrationshintergrund durch ein differenziertes Angebot in ihrer spezifischen Situation zu begegnen und adäquat anzusprechen.

Für Lass 1000 Steine rollen! bedeutet das:

Aufgreifen von Tanzformen unterschiedlicher Kulturen

  • Anregungen von Jugendlichen aufgreifen bzgl. Angebotsgestaltung
  • gemeinsame Umsetzung der Anregungen in unseren Arbeitsablauf
  • Einsetzen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund als TrainerInnen
  • Interkulturelle Veranstaltungen
  • Beschäftigung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei Veranstaltungen mit für sie nicht typischer kultureller Ausrichtung

Der höchste Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist im Tanzbereich zu finden. Aber auch bestehende Bands haben Mitglieder mit einem unterschiedlichen Migrationshintergrund und Angebote wie das Gesangscoaching für Mädchen wird überwiegend von Mädchen mit Migrationshintergrund besucht und von einer Gesangslehrerin mit Migrationshintergrund geleitet.
Interkultureller Treffpunkt ist das Café im Trockendock. Hier begegnen sich die TänzerInnen und MusikerInnen aus dem Band- und Unterrichtsbereich.
Bei unseren BesucherInnen ist immer häufiger festzustellen, dass die Jugendlichen einen Migrationshintergrund haben, jedoch in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und ihr „Herkunftsland“ zum Teil noch nie gesehen haben bzw. ihre Muttersprache nicht beherrschen.


4.9. Inklusion


Gesetzliche Grundlagen

Grundgesetz Artikel 3:
(...) Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

SGB VIII Sozialgesetzbuch Kinder- und Jugendhilfe:
Jugendhilfe soll zur Verwirklichung des Rechts nach Absatz 1 insbesondere 1. junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen.

Jugendliche mit Assistenzbedarf

Jugendliche sind nicht behindert – sie werden behindert. Dies bedeutet, dass nicht allein die körperliche oder geistige Einschränkung eines Menschen seine Behinderung ausmacht, sondern die gesellschaftliche Wirklichkeit zusätzliche Hürden schafft und dazu beiträgt, Menschen auf diese Eigenschaften festzuschreiben. Selbstverständliche Begegnungen und das Erleben von Gemeinsamkeit zwischen Jugendlichen mit und ohne Behinderung wird zur Ausnahme. Jugendliche mit Unterstützungsbedarf sind in erster Linie Jugendliche und als solche selbstverständlich.
Insofern orientieren sich die Angebote an den Gemeinsamkeiten und Stärken der Nutzer/-innen. Fremdheit, Anderssein, Grenzen dürfen und sollen benannt und akzeptiert werden. Unterschiedlichkeit wird als Vielfalt und als Chance zur gemeinsamen Bewältigung von Alltags- und Kommunikationssituationen erlebt. Unser Projekt versucht - im Rahmen der Möglichkeiten- eine Atmosphäre zu schaffen, in der ein inklusives Miteinander praktiziert werden kann.

Für Lass 1000 Steine rollen! bedeutet das:

Lass 1000 Steine rollen! bindet Menschen mit Assistenzbedarf soweit als möglich über die gesamte Angebotsstruktur ein. Die Lehrkräfte gehen im Musikunterricht auf die besonderen Bedürfnisse gezielt ein. Das heißt z.B. bei Vorliegen des Down-Syndroms Arbeit mit ständigen Wiederholungen. Menschen mit körperlichen Behinderungen finden leider nur das Erdgeschoss barrierefrei vor. Der Unterricht finden dementsprechend im Erdgeschoss statt.
Im Trockendock-Café erleben wir immer wieder, dass Jugendliche mit und ohne Behinderung voneinander lernen.
Es proben auch immer wieder Bands in unserer Einrichtung, die zum Teil aus Menschen mit Assistenzbedarf bestehen. Hier findet zum Teil eine externe Betreuung statt.


4.10. Kooperation Schule

Es besteht eine Kooperation mit der Reformschule Winterhude. Angebote, die in diesem Rahmen im Trockendock stattfinden sind:

  • Tanzkurse im Vormittagsbereich
  • Tanzkurs im Nachmittagsbereich
  • Gruppenkurs Gitarre im Nachmittagsbereich
  • Nutzung von Proberäumen durch Schulbands


Die Tanzkurse im Vormittagsbereich gehören zum „normalen“ Unterrichtsbereich. Die Tanztrainerin muss die Leistungen am Halbjahresende bewerten und auch eine Anwesenheitsliste führen.
Die Gruppengröße beträgt maximal zwanzig SchülerInnen. Die tatsächliche Zahl stellt sich jeweils zu Halbjahresbeginn heraus, da es sich um Wahlkurse handelt.
Der Nachmittagskurs findet im Rahmen der „ kreativen Pause“ statt.
Für die Tanzkurse stellt das Trockendock den Saal und das technische Equipment zur Verfügung. Die Tanztrainerin wird vom Trockendock vermittelt und das Honorar wird von der Schule getragen. Das Angebot wird zusätzlich von MitarbeiterInnen des Trockendocks begleitet, unter anderem mit dem Ziel, die Jugendlichen für die Angebote des Trockendocks zu begeistern.
Der Gruppenkurs Gitarre wird von maximal sechs SchülerInnen genutzt. Einer unserer Gitarrenlehrer leitet den Kurs. Auch hier trägt die Schule die Honorarkosten. Das Trockendock stellt den Raum und die Akustik Gitarren.
Die SchülerInnen-Bands nutzen jeweils einen Proberaum mittwochs im frühen Nachmittagsbereich.
Im Rahmen der Kooperation vermittelten wir einen Tontechniker an die Schule, der dort ein Angebot „Einführung in die Beschallungstechnik“ leitet.
Die Zusammenarbeit mit der Schule wollen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten noch ausbauen.

Weitere Kooperationen:

  • mit den Vereinsprojekten z.B. Kompaß, die musikinteressierte Jugendliche an uns weiter vermitteln oder den Mitarbeiterinnen aller Vereinsprojekte bei den Mädchentagen Herbstflimmern
  • mit Einrichtungen der offenen Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit
  • mit Drogenhilfe- und Nachsorgeeinrichtungen
  • mit Einrichtungen aus dem Bereich der Hilfen zur Erziehung wie z.B. KIFAZ Barmbek-Süd
  • mit Einrichtungen des Schul- und Gesundheitssystems
  • mit gewerkschaftlichen Bildungsträgern
  • mit Initiativen und Organisationen wie z.B. dem Spendenparlament, Black History Month, LUKULULE
  • mit unterschiedlichen Einrichtungen des Jugendhilfesystems und der Jugendkulturarbeit zur Planung und  Durchführung überregionaler Veranstaltungen, wie z.B. MÄDCHEN ROCKEN BARMBEK mit Kulturpunkt im Basch und Kampnagel, SPOT CHECK mit der Motte, POETRY AND JAM mit Kulturpunkt im Basch etc.
  • sowie anderen im Bereich Suchtprävention tätigen Einrichtungen und Institutionen.

Neben den gemeinsamen Veranstaltungen und Workshops, helfen wir auch mit Know-How Transfer, Lehrkräfte-Suche und Bandvermittlung weiter.